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Sind Kaffeekirschen das neue Superfood?

Die Kaffeekirschen umhüllen die Kaffeebohnen. Die Kaffeekirsche ist das Fruchtfleisch der Kaffeefrucht. Die Frucht der Kaffeepflanze ist rot, kirschenähnlich und essbar, doch bisher wird der wertvolle Rohstoff nur wenig genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Ca. 40% besteht aus Fruchtfleisch der Kaffeekirsche. Die Kaffeefrucht, die die Kaffeebohnen umhüllt, enthält gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe und sie ist lecker dazu. Kaffeekirschen mit ihren Eigenschaften kann man durchaus als Superfood definieren. Doch bisher wird die Kaffeekirschenschale im Aufbereitungsprozess entfernt und endet meist als Abfallhaufen auf den Kaffeeplantagen oder werden höchstens als natürlicher Dünger auf den Kaffeefarmen genutzt. So werden weltweit pro Jahr 322 Millionen Tonnen Kaffeepulpen einfach entsorgt. Ein großes Umweltproblem, da die Berge an verrottenden Früchten Methangas freisetzen, die Boden übersäuern und die Gewässer verseuchen.

Die Industrie interessiert nur die Bohne. Doch die umhüllende Kaffeekirsche mit ihrem 40% Anteil an der gesamten Kaffeefrucht ist ein wertvoller Rohstoff, der viel zu schade zum Wegwerfen ist. Kaffeekirschen bergen ein riesiges ungenutztes Potential. Das neue Superfood enthält zahlreiche wichtige Nährstoffe und Koffein. Auch für die Kaffeebauern könnte die Weiterverarbeitung der kostbaren Fruchthülle ein wirtschaftlicher Zugewinn sein, besteht doch ein erheblicher Teil ihres Produktes aus der Kaffeekirsche.

Kaffeekirschen Korb

Aha! Einheimische und Kaffeebauern wissen das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen schon seit Jahrhunderten zu nutzen. Außer dass die Kaffeekirschenschale ein hervorragender Dünger ist und man einen hervorragend schmeckenden Tee daraus herstellen kann, kann man aus ihnen auch schmackhafte Marmelade kochen und Schnaps brennen.

In Nordamerika ist man da schon ein ganzes Stück weiter. Dort sind Kaffeeflocken und Kaffeemehl schon eine ganze Weile auf dem Markt. Der Import nach Deutschland und Europa gestaltete sich lange schwierig, da man von staatlicher Seite nicht wusste, wie man mit dem neuen „Lebensmittel” umzugehen hat. Doch seit Kurzem sind Kaffeekirschen auch bei uns zugelassen.

Aus dem vermeintlichen Abfall kann ein hochwertiges Produkt entstehen, doch Verbraucher und Lebensmittelfirmen wissen um den ungeborgenen Schatz einfach noch nichts oder viel zu wenig. Was Kaffeekirschen sind, wie sie schmecken, was alles in ihr steckt und was man aus der Kaffeefrucht machen kann, erfährst Du in unserem Blog über diesen tollen Rohstoff!

Was sind Kaffeekirschen?

Mit ihrer roten Färbung im reifen Zustand und ihrem Stein im Inneren erinnern die Kaffeekirschen ein bisschen an unsere heimischen Kirschen. Botanisch ist die Kaffeefrucht keine Bohne, sie wird als rote Steinfrucht eingeordnet. Die Kaffeekirsche enthält meistens zwei Steinkerne, manche Kaffeesorten bergen jedoch nur einen Steinkern - die eigentliche Kaffeebohne. Die Kaffeebohne ist also der innere Teil der Kaffeekirsche. Zum Erntezeitpunkt sind die Kaffeebohnen grün und roh.

Aha! Die Kaffeebohnen sind ca. 1 cm lang. Für eine Tasse Kaffee benötigt es ungefähr 70 Kaffeebohnen. Das entspricht ca. 8 g pro Kaffeetasse. Für ein Gramm Kaffee braucht es also 8-9 Kaffeebohnen.

Wie sieht die Kaffeekirsche aus und wann ist sie reif?

Kaffeekirschen haben im reifen Zustand einen Durchmesser von etwa 1,5 cm. Während des Reifeprozesses verändert sich ihre Farbe von grün bis zu einem knalligen Rot. Dann sind die Kaffeekirschen in der Regel reif. Überreife Kaffeekirschen verfärben sich schwarz, verändern ihre Konsistenz, werden süßer und verderben schneller. Doch nicht alle Kaffeekirschen weisen, wenn sie geerntet werden, eine dunkelrote Farbe auf. Es gibt auch Kaffeekirschen, die aufgrund ihrer Sorte eine gelbe Fruchthaut bei der Ernte haben. Für sie gilt Gleiches: Wandelt sich der Gelbton in einen zu intensiven Farbton, sind sie zu reif.

Kaffeekirschen Hand gepflückt

Aha! Zu reife Kaffeekirschen sollten nicht mehr aufbereitet werden. Hochwertiger Kaffee zeichnet sich dadurch aus, dass die Kaffeekirschen zum richtigen Reifezeitpunkt per Hand einzeln gepflückt werden. Die Erntezeit kann sich so über mehrere Monate hinziehen. Bei der maschinellen Ernte werden unreife, reife, sowie überreife Kaffeekirschen geerntet und der Aufbereitung zugeführt. Qualitativ hochwertiger Kaffee und auch die Kaffeekirschen haben den besten Geschmack beim optimalen Reifegrad.

Wie ist eine Kaffeekirsche strukturiert?

Eine Kaffeekirsche setzt sich aus sieben verschiedenen Schichten bzw. Teilen zusammen. Die innenliegenden Kaffeebohne werden von einem dünnen Silberhäutchen umgeben, das wiederum von der Pergamenthaut umhüllt wird. Pektinschicht, Pulpe und Fruchthaut bilden die äußeren Schichten der Kaffeekirsche. Beim Aufbereitungsprozess werden Pektinschicht, Pulpe und Fruchthaut entfernt, übrig bleiben die Kaffeebohnen und das Silberhäutchen, die getrocknet nach der Aufbereitung als die eigentlichen Kaffeebohnen als der marktfähige Teil gelten. Die meisten Kaffeekirschen enthalten als Kern zwei Kaffeebohnen. Es gibt jedoch auch Kaffeesorten, die nur einen Kern enthalten. Diese erbsenförmigen Samen sind wesentlich seltener und nennen sich Perlbohnen.

Kaffeekirsche von innen nach außen:

  • Schnitt
  • Kaffeebohne
  • Silberhäutchen
  • Pergamenthaut
  • Pektinschicht
  • Fruchtfleisch
  • Fruchthaut

Was steckt in der Kaffeekirsche?

Wie die Kaffeebohne selbst beinhaltet auch die Kaffeekirsche Hunderte von positiven Inhaltsstoffen. Neben Koffein enthält die Kaffeekirsche reichlich gesunde Antioxidantien ✓ Mineralstoffe ✓ und Eiweiß ✓. Zu über 50% besteht die Kaffeekirsche alleine aus verdauungsfördernden Ballaststoffen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Kaffeekirsche:

  • Koffein
  • Antioxidantien
  • Mineralstoffe
  • Eiweiß
  • Ballaststoffe

Wie lange dauert die Reifung der Kaffeekirsche?

Die Kaffeeblüten entwickeln sich in ca. 7-10 Monaten zu Kaffeekirschen. Dieser Prozess kann ganz unterschiedlich lange ausfallen, da jede Kaffeesorte sowie die klimatischen Begebenheiten darüber entscheidend sind, wie die Reifung voranschreitet. Die strahlend weiße Kaffeeblüte hat einen intensiven Duft und lockt mit ihrem süßen Nektar vielzählige Insekten an.

Kaffeekirschen Pflanzen

Aha! Sämtliche Coffea Arten benötigen für die Fremdbestäubung den Pollen anderer Blüten von anderen Kaffeebäumen derselben Art, die ihnen durch Insekten oder Wind zugetragen werden. Nur Coffea Arabica ist in der Lage sich selbst zu bestäuben und zählt zu den Selbstbestäubern. Doch auch Insekten und Wind können die Arabica-Pflanze bei der Bestäubung unterstützen. Aufgrund des gut schmeckenden Nektars und der leicht zugänglichen Blüten helfen die Bestäuber sicher gerne.

Was passiert mit dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche nach der Ernte?

Die Kaffeekirschen müssen aufbereitet werden, um die Kaffeebohnen aus dem Inneren zu befreien. Verschiedene Methoden werden dafür angewendet: Die Aufbereitung unterscheidet sich von trocken (natural), nass (washed) und halbtrocken (pulped natural).

Die Aufbereitung der reifen Kaffeekirschen sollte nach der Ernte innerhalb von Stunden beginnen und erfolgt meist direkt beim Erzeuger oder die Kaffeeernte wird von den Kaffeefarmen an zentralisierte Aufbereitungsstationen verkauft, die dann die Aufbereitung übernehmen.

Die Aufbereitung der Kaffeekirschen

  • Trocken (natural)
  • Nass (washed)
  • Halbtrocken (pulped natural)

Kaffeekirschen aufbereiten

Aha! Um die Kaffeekirschen zu verwenden kommen mehrere Aufbereitungsarten in Frage. Den besten Geschmack behalten die Pulpen, wenn die Kaffeekirschen “full natural” aufbereitet werden. Es ist jedoch auch möglich, dass die bereits entkernten Kirschen getrocknet werden.

Die nasse Aufbereitung

Bei der nassen Aufbereitung bleiben die inneren Qualitäten und die natürlichen Aromen der Kaffeekirschen und der Kaffeebohnen besser erhalten. Nach der Reinigung und Sortierung wird beim sogenannten Pulping das Fruchtfleisch der Frucht von den Kaffeebohnen entfernt. Anschließend werden die Kaffeebohnen in großen Gärtanks gefüllt, restliche Rückstände entfernt und fermentiert. Dann wird der Kaffee erneut gewaschen, bevor sie zur Trocknung, die 8-10 Tage dauert, kommen. Der gesamte Prozess benötigt eine erhebliche Menge an Wasser.

Die trockene Aufbereitung

Bei der trockenen Aufbereitung wird die ganze Kaffeekirsche mit den innenliegenden Kaffeebohnen getrocknet. Diese Methode erfolgt in drei Schritten: Der Reinigung, der Trocknung und der Schälung. „Natural” aufbereitet erfolgt in den einzelnen Arbeitsschritten weiterhin ein hohes Maß an Handarbeit. Die Kaffeekirschen trocknen nun ca. vier Wochen in der Sonne, in denen sie regelmäßig gewendet werden müssen. Der richtige Zeitpunkt, wann der Kaffee bei der Schälung weiterverarbeitet wird, entscheidet über die Qualität des Endprodukts. Bei der trockenen Aufbereitung wird wesentlich weniger Wasser verbraucht als bei der nassen Aufbereitung.

Die halbtrockene Aufbereitung

Bei der halbtrockenen Aufbereitung durchlaufen die Kaffeekirschen zu Anfang den gleichen Prozess wie bei der nassen Aufbereitung. Anfangs werden sie in Wassertanks gefüllt und durch Maschinen wird nur die äußerste Schicht entfernt. Die noch mit Fruchtfleisch umhüllten Kaffeebohnen werden jedoch, anstatt dass sie in Tanks verbracht und eingeweicht werden, direkt zum Trocknen im Freien auf Trockenböden ausgebracht. Durch regelmäßiges Wenden können sie gleichmäßig trocknen. Nach 7-12 Tagen ist die Trocknung abgeschlossen und die Kaffeebohnen haben eine leicht rötlich bis bräunliche Färbung.

Kann man Kaffeekirschen essen und wie schmecken sie?

Die Kaffeekirsche ist essbar und äußerst schmackhaft. Die äußerste Haut hat jedoch einen etwas bitteren Geschmack. Die essbare Kaffeekirsche riecht nach Aromen von getrockneten Früchten und vielen anderen Noten, die man von der Kaffeekirsche erwarten mag. Die Kaffeekirschen haben einen süßen Geschmack und sind genauso facettenreich wie der Kaffee selbst. Je nach Herkunft reichen die Geschmacksnuancen, die die Kaffeekirschen aufweisen, von fruchtig frisch bis hin zu Honig.

Kaffeekirschen essen

Die Fruchtnoten variieren in alle Geschmacksrichtungen: Kirsche, aber auch Banane, Birne und Quitte und so viele mehr. Auch für die Qualität der Kaffeebohnen ist es bedeutend, dass die Kaffeekirschen den optimalen Reifegrad bei der Ernte haben. Dieser ist entscheidend für den Geschmack der Steinfrucht und der Kaffeebohnen. Sind die Kaffeekirschen noch nicht reif, ist ihr Geschmack eher neutral und sauer. Zu reife Früchte hingegen können einen schon faulen Geschmack aufweisen. Eine aromatisch süße Kaffeekirsche muss perfekt gereift sein.

Was kann man aus Kaffeekirschen machen?

Aus den Kaffeekirschen kann man Kaffeeflocken und Kaffeemehl herstellen.

Unter den Kaffeebauern sind die Kaffeekirschen in vielen Ländern ein beliebtes Nebenprodukt bei der Kaffeeernte. Seit Jahrhunderten wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch Kaffeekirschentee aufbereitet, der Cascara Tee. Der Cascaratee besteht aus getrockneten Kaffeekirschenschalen und wird einfach wie Tee zubereitet. Ungefähr ein Esslöffel getrocknete Kaffeekirschen werden mit kochendem Wasser übergossen und ca. 6 Minuten ziehen lassen. Der Tee hat wie die Kaffeekirsche selbst ein fruchtig süßes Geschmacksprofil und allerlei andere positive Inhaltsstoffe, wie das Koffein.

Aha! Schale heißt auf spanisch Cascara. Der Tee mit dem blumigen Namen, Cascaratee, heißt also übersetzt einfach nur Schalentee.

Ein weiteres Produkt, das man aus Kaffeekirschen herstellen kann, ist Kaffeemehl bzw. Kaffeekirschenmehl. Um Kaffeekirschenmehl zu gewinnen, werden die getrockneten Kaffeekirschenschalen einfach gemahlen. Mit seinen vielen wertvollen Inhaltsstoffen ist Kaffeemehl eine gute Alternative zu herkömmlichem Mehl. Es lässt sich als eine Zutat in geliebten Gerichten verarbeiten. Kaffeekirschenmehl brilliert mit positiven geschmacklichen Eigenschaften, aber auch die enthaltenen Inhaltsstoffe machen den neuen Rohstoff sehr wertvoll. Der Kreativität in der Küche sind keine Grenzen gesetzt: Einfach mal ausprobieren und einen Anteil an Mehl durch das Fruchtpulver mit hohem Ballaststoffanteil ersetzen. So bekommen Tortillas, Gnocchi & Co. eine völlig neue Geschmacksperspektive. Aber auch Müsli kann durch das innovative Lebensmittel eine herrlich fruchtige Note und den gewünschten Teil an Ballaststoffen gewinnen.

Kaffeekirschen sind nicht nur nährstoffreich, sondern auch kulinarisch ein absoluter Gewinn!

Aha! Kaffekirschenmehl ist völlig neu am Markt und in nur wenigen Shops zu kaufen. In der Kaffeerösterei Kirmse ist es jetzt schon erhältlich.

Der lange Weg der Kaffeekirschen in unsere Regale

Kaffeekirschen und die aus ihnen gewonnenen Produkte sind in Deutschland immer noch sehr unbekannt. Der Weg in die Verkaufsregale in Deutschland und der EU sollte jedoch steinig und schwer sein. Seit 2016 ist die Kaffeekirsche auf der Antragsliste für neue Lebensmittel, Novel Food. Bis Anfang 2022 brauchte es, dass die Schale der Kaffeekirsche als eigenständiges Lebensmittel und als Zutat anerkannt wurde. Die Cascara hat seit 04.Februar 2022 die Zulassung als traditionelles Lebensmittel aus Drittländern.

Nestle und Lavazza bekunden ebenfalls Interesse an Cascara

Im Mai 2021 hat unser Lieferant der Kaffeekirschenpulpen ein Update geschickt, das zeigt, wie der aktuelle Stand zu dem Zeitpunkt war und dass Nestle und Lavazza mit in den Ring stiegen und sich für dessen Zulassung einsetzten. Konnte der Kampf um die Zulassung der Pulpe der Kaffeekirsche nach sechs Jahren erst durch das Involvieren der Global Player nun endlich zu Ende gebracht werden?

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Steht Cascara kurz vor der EU-Zulassung?

Kaffee-Giganten Nestle und Lavazza ziehen in den Kampf um die Zulassung von Cascara-Getränken

Nach der Einführung der Nativ-Linie von Cascara-Getränken in Australien haben Nestle und seit kurzem auch Lavazza bei der Europäischen Kommission Anträge auf Zulassung von Cascara in Getränken eingereicht. Zusammen mit dem Antrag von Goldkind aus Österreich (ehemals Panama Varietals) für neuartige Lebensmittel haben es drei Anträge über die Validierungsphase hinaus geschafft und befinden sich in der Phase der wissenschaftlichen Überprüfung und Risikobewertung bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Ein vierter Antrag, eingereicht von EcoCafe aus der Schweiz, befindet sich noch in der Validierungsphase.

Nach dem von der EFSA veröffentlichten Zeitplan steht die Risikobewertung für den Antrag von Nestle für traditionelle Lebensmittel an erster Stelle und sollte am 4. Mai abgeschlossen sein. Ein öffentliches Gutachten der EFSA wird in Kürze erwartet. Die Überprüfung von Lavazza soll am 8. August abgeschlossen sein. Goldkind, dessen Antrag unter Novel Food ein anderes Verfahren durchläuft, hat eine verlängerte Frist zur Beantwortung der ersten Reihe von Fragen und Bitten um zusätzliche Informationen der EFSA bis zum 15. Juni.

Antrag für neuartige vs. traditionelle Lebensmittel

Basierend auf den öffentlich zugänglichen Zusammenfassungen der Anträge ist der Antrag von Nestle der umfangreichste, da er die Zulassung für mehrere Verwendungen, Prozesse und Arten von Kaffee, aus dem Cascara gewonnen wird, anstrebt und dabei auf mehrere Ursprünge verweist, in denen traditioneller Konsum stattfindet. Eine positive Stellungnahme der EFSA zum Antrag von Nestle könnte die anderen Anträge überflüssig machen. Die anderen Unternehmen bemühen sich um begrenztere Zulassungen, die auf spezifischen Prozessen und Verwendungen beruhen, die anscheinend größtenteils von Nestle abgedeckt werden. Es gab auch einen Unterschied in der Art der eingereichten Anträge, traditionelle und neuartige. Die von Nestle, Lavazza und EcoCafe eingereichten traditionellen Novel-Food-Anträge stützen sich mehr auf historische Verzehrsdaten außerhalb der EU, um einen sicheren Verzehr durch wissenschaftliche Analysen der Cascara nachzuweisen.

Das Gesetz für traditionelle Lebensmittel wurde für einen schnelleren und einfacheren Weg entworfen, um traditionell konsumierte Lebensmittel aus anderen Ländern in die EU einzuführen. Auch der Überprüfungsprozess ist anders. Anträge für traditionelle Lebensmittel haben eine viermonatige Überprüfungszeit, sobald sie validiert sind, ohne Stoppuhr oder Frage- und Antwortzeiten. Am Ende des Überprüfungszeitraums gibt die EFSA eine Stellungnahme an die Europäische Kommission für neuartige Lebensmittel ab. Während des Überprüfungszeitraums kann die EFSA oder ein Mitgliedstaat ordnungsgemäß begründete Sicherheitsbedenken erheben, in diesem Fall wird die Kommission das traditionelle Lebensmittel nicht zulassen. Der Antragsteller kann die Bedenken durch ein weiteres Einreichungsverfahren ausräumen.

Ein von Goldkind eingereichter Antrag für ein neuartiges Lebensmittel stützt sich mehr auf Analysen und Studien als auf historische Verzehrsdaten als Beweis für die Unbedenklichkeit des Verzehrs. Auch die Überprüfungsphase wird anders gehandhabt. Es gibt einen neunmonatigen Überprüfungszeitraum durch die EFSA. Während dieses Zeitraums kommt es zu Unterbrechungen, wenn die EFSA Fragen stellt oder zusätzliche Informationen vom Antragsteller anfordert. Der Antragsteller hat das Recht, Verlängerungen für die Clock-Stop-Perioden zu beantragen, um die Anfragen ausreichend beantworten zu können.

Vier Jahre der Bewerbung

Es ist unbestritten, dass Cascara und verschiedene Formen der ganzen Kaffeefrucht seit Jahrhunderten in Teilen Afrikas und des Nahen Ostens konsumiert werden, aber warum dann ein so langer Prozess, der bereits 2017 begann, als Panama Varietals den ersten Novel-Food-Antrag für Cascara einreichte? Der Zeitpunkt der Antragseinreichung in Bezug auf die sich ändernden Novel-Food-Gesetze im Jahr 2018, die Einreichung eines Novel- vs. Traditional-Food-Antrags, Covid und die verfügbare Zeit und Ressourcen spielten eine Rolle.

Panama Varietals entschied sich ursprünglich aus zwei Gründen, nicht den Weg der traditionellen Lebensmittelanwendung zu gehen: 1) die untersuchte Cascara stammte hauptsächlich aus Panama, wo es keine wesentliche Geschichte des traditionellen Konsums gab, und 2) es gab Widerstand auf der Ebene der Mitgliedsstaaten. Im Jahr 2017 gab es bei einigen Mitgliedsstaaten die Meinung, dass es an peer-reviewten wissenschaftlichen Daten mangelt, die belegen, dass der langfristige traditionelle Konsum von Cascara keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Wenn traditionelle Lebensmittelanträge abgelehnt werden, dann müssen ohnehin mehr oder weniger neuartige Lebensmittelanträge gestellt werden.

Obwohl die Mitgliedsstaaten immer noch bei der Überprüfung eines Antrags mitreden, sollten die Stellungnahmen zum Antrag von Nestle zeigen, ob diese Meinungen immer noch bestehen oder ob es nach den neuen Regeln genügend Beweise gibt, die den traditionellen, sicheren Konsum unterstützen. Basierend auf der kürzlichen Genehmigung des Antrags für den traditionellen Verzehr von Kaffeeblättertee ist ein Mangel an wissenschaftlichen Daten mit Peer-Review nicht unbedingt erforderlich. Briefe von Gesundheitsministern aus den Ländern des traditionellen Verzehrs, die besagen, dass es in der Vergangenheit keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen gab, wurden als Beweis akzeptiert.

Generische Zulassung

Wenn man bedenkt, dass es sich bei Cascara nur um eine getrocknete Frucht und ein natürliches Nebenprodukt der Kaffeetrocknung handelt, ist der Ressourcenaufwand in Form von Ausgaben und Zeit privater Unternehmen sowie öffentlicher Steuergelder auf Seiten der EFSA und der Kommission, um eine Zulassung zu erreichen, fast schon absurd. Jeder Antrag muss unabhängig und für sich geprüft werden, was erhebliche Ressourcen in Anspruch nimmt.

Trotz der generischen Form der Zulassung nach den neuen Gesetzen für traditionelle und neuartige Lebensmittel, die den Vorteil der Zulassung eines Unternehmens gegenüber einem anderen aufhebt, tauschen die Antragsteller selten Daten aus. Alle Cascara-Produkte, die den genehmigten Parametern der Verwendung, Zusammensetzung, Verarbeitungsmethoden und Sicherheit entsprechen, erhalten die Genehmigung, in der EU verkauft zu werden. Die Zusammenlegung von Daten und die gemeinsame Einreichung von Anträgen würde sicherlich viele Probleme lösen und die Ausgaben sowohl der Antragsteller als auch der EU-Kommission reduzieren, ist aber aufgrund des Wettbewerbs unter den Unternehmen ein unwahrscheinliches Szenario. Eine Änderung der Regeln, die es der EFSA ermöglicht, die Gesamtheit der Nachweise zu berücksichtigen und nicht nur das, was in einem einzelnen Antrag eingereicht wird, könnte ein besserer Ansatz sein.

Was ist als nächstes zu erwarten?

Eine Empfehlung der EFSA an die Kommission und keine Sicherheitsbedenken bedeuten keine sofortige Zulassung. Die Risikomanager der Kommission werden auf der Grundlage der verfügbaren Daten und der Empfehlungen des Antragstellers die Parameter festlegen, die Cascara und Cascara-Produkte erfüllen müssen. Über die endgültigen Parameter wird es wahrscheinlich eine Menge Diskussionen geben. Die Kommission wird einige Monate Zeit haben, um die Parameter zu finalisieren und den EU-Katalog für neuartige Lebensmittel zu aktualisieren. Sobald dies abgeschlossen ist, ist der Markt offen für Cascara-Produkte, die unter die beschriebenen Parameter fallen.

Trotz des Verbots in der EU seit 2017 haben große und kleine Innovatoren hinter den Kulissen an eigenen Cascara-Rezepturen gearbeitet. Goldkind ist als Importeur und Großhändler der einzige Antragsteller, der kein Cascara-Getränk für den Einzelhandel herstellt, und hat die Produktentwicklungsabteilungen mehrerer F&B-Unternehmen unterstützt. Wenn die Zulassung erteilt wird, werden bis 2022 EU-weit mehrere neue Getränkeprodukte in die Verkaufsregale kommen. Basierend auf ersten Anfragen werden nach der Zulassung von Getränken weitere Anträge für andere Formate von Lebensmitteln auf Kaskarabasis erwartet. Die nächste wahrscheinliche Form von CasCaraprodukten im F&B-Sektor werden Energieriegel sein, nachdem I Am Grounded, ein Innovator in diesem Segment, kürzlich erfolgreich in Australien eingeführt wurde.

Unabhängig vom Grad der Innovation ist kein neues Segment oder eine neue Kategorie ein sofortiger Erfolg über Nacht. Kaffeeproduzenten sollten nicht von heute auf morgen einen enormen Anstieg der Nachfrage erwarten, wodurch sie tonnenweise ihren Cascara an europäische Hersteller verkaufen können. Neben der Erfüllung der von der EFSA festgelegten Anforderungen wird es ein paar Jahre dauern, bis die Nachfrage der Verbraucher aufgebaut ist.

Lektionen aus dem US-Markt gelernt

Die Aufklärung der Verbraucher über Cascara, ihre Herkunft und einen Grund, sie zu trinken, ist ein wichtiger erster Schritt, der von Markeninhabern nicht übergangen werden darf. Cascara-Getränke, die es seit 2013 in den USA gibt, haben immer noch kein Massenpublikum gefunden. Neue Produkte tauchen immer wieder auf, und bestehende Produkte werden immer wieder umgestellt und innoviert, auf der Suche nach dem schwer fassbaren Produkt, das zum Markt passt. Mit der Verbreitung von Cascara-Getränken in den letzten Jahren gab es ebenso viele verschiedene Ideen, wie man die Getränke vermarkten und beim Verbraucher positionieren kann. Der Begriff, wie man sie überhaupt nennen soll, war uneinheitlich. Starbucks setzte auf den Begriff "Cascara" für seine Cascara Lattes, während andere den Begriff "Kaffeekirsche" verwendeten und weiterhin verwenden. Einige bezeichnen Cascara-Getränke als Tee, während andere es als ein natürliches Energiegetränk positioniert haben.

Selbst wenn eine Marke den Produkt-Markt-Fit richtig hinbekommt, braucht die Einführung neuer Segmente und Kategorien Zeit. Obwohl die sozialen Medien die Einführungs- und Adoptionsraten beschleunigt haben, brauchten viele heute beliebte Kategorien viele Jahre, um sich durchzusetzen. Red Bull wurde 1983 in Europa eingeführt und kam erst 1996 auf den US-Markt. GT Dave, der Gründer von GT Kombucha, stellte Kombucha seit Mitte der 90er Jahre in seinem Zimmer her, und es war schon Jahrzehnte vorher in US-Gesundheitsläden erhältlich. Kombucha gibt es in Asien schon seit etwa 2.000 Jahren. Der Konsum von Cascara und Kaffeefrüchten geht etwa 1.000 Jahre zurück. Ist jetzt die Zeit für Cascara gekommen?

Es gibt drei wichtige Faktoren zu beachten, die grundlegend erscheinen, aber immer noch übersehen werden.

Ein guter Geschmack ist entscheidend. Cascara hat einen einzigartigen Geschmack und nicht alle Cascara-Sorten oder die Art und Weise, wie die Bauern sie verarbeiten, führen zu einem großartigen Geschmack oder einem hochwertigen Getränk. Wenn Ihr Getränk so schmeckt, als käme es aus dem obersten Regal im Medizinschrank Ihrer Großmutter, dann gehört es wahrscheinlich dorthin.

Informieren Sie und seien Sie konsequent. Die Verbraucher müssen wissen, was sie trinken und warum sie es trinken sollten - für die Gesundheit, die Funktionalität und/oder den Genuss? Konsistente Terminologie und Botschaften sind wichtig. Den Verbrauchern muss ein Grund gegeben werden, warum sie das, was sie derzeit trinken, für ein Cascara-Getränk aufgeben sollten.

Upcycling ist wichtig, aber kein Kaufgrund... noch nicht. Upcycelte Lebensmittel gewinnen an Bedeutung und in der Gunst der Verbraucher und sind ein Differenzierungsmerkmal bei Kaufentscheidungen. Die kürzliche Gründung und das Wachstum der internationalen Upcycled Food Association und die Schaffung einer Upcycled Food Zertifizierung sind ein Beweis für das wachsende Interesse von Industrie und Verbrauchern.

Jährlich werden den Verbrauchern Tausende von neuen Getränken vorgestellt. Die Verbraucher haben nur so viel Platz im Kopf und die Geschäfte nur so viel Platz im Regal. Überzeugende Argumente für die Verbraucher, gefolgt von echten Verkaufsergebnissen, werden die Herausforderung für Markeninhaber sein.

Getränke, die niedrig hängenden Früchte

Cascara-Getränke sind erst der Anfang einer Geschichte, in der Cascara von den Verbrauchern angenommen wird. Es ist noch früh im Innovationszyklus und die Verwendung von Cascara in einem sozialen Hipster-Getränk oder einem Energy-Drink könnte nur eine frühe Form der Akzeptanz sein. Aufgrund des einzigartigen Nährstoffprofils von Cascara, der potenziell verfügbaren Menge und ihrer Upcycling-Natur werden sich die Einsatzmöglichkeiten über Lebensmittel und Getränke hinaus erweitern. Mehrere Branchen sind bereits auf Cascara aufmerksam geworden, vor allem weil es in ihre längerfristigen Nachhaltigkeitsinitiativen passt.

Führungskräfte und Investoren, die sich vor acht Jahren noch nicht mit der Idee anfreunden konnten, dass ein Nebenprodukt des Kaffees, das von vielen als Abfall betrachtet wird, hip und hochwertig sein könnte, werden jetzt zu Befürwortern und Fans. Konservative Lebensmittel- und Getränkehersteller betrachteten Cascara zunächst mit Skepsis. Einige dieser Unternehmen haben in letzter Zeit Teams eingesetzt, um innovative Cascara-Produkte zu entwickeln. Regulatorische Verbote und Zulassungen sind nur ein Schritt im Prozess und eifrige Vermarkter finden vielleicht einen Weg, aus den Verboten Kapital zu schlagen, um frühe Marketinginitiativen voranzutreiben. Viele vergessen die Verbote von Red Bull in den 90er Jahren, die einen Teil der Mystik der Marke ausmachten und dazu beitrugen, eine aufgestaute Nachfrage zu schaffen. Cascara, ein Nebenprodukt der Vergangenheit, wird zur Zutat der Zukunft und es scheint, dass diese 1.000 Jahre alte Geschichte gerade erst beginnt.

Tags: Kaffeebohne
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