Wir lieben Kaffee.

WEIHNACHTSFUNKEN für El Salvador

Am 23. Oktober letzten Jahres war es soweit. 75 WEIHNACHTSFUNKEN-Päckchen aus der Kaffeerösterei Kirmse verließen den Bayerischen Wald. Das Ziel: El Salvador.

Inhaltsverzeichnis

Ebenfalls bei der Spendenaktion aus dem Landkreis Regen dabei waren die Grundschule Lindberg, die Mittelschule Zwiesel und die staatliche Realschule Viechtach. Insgesamt 300 weihnachtlich gestaltete Pakete wurden von Kindern und Familien und von den Kunden der Kaffeerösterei liebevoll gepackt, die dann mit Privatautos von den Junior Rangern des Nationalpark Bayerischer Wald nach Regensburg gebracht und weiter verladen wurden. Aus Deutschland wurde so die stattliche Menge von 2.000 Weihnachtspäckchen nach El Salvador geschickt. Die Ankunft in dem mittelamerikanischen Land sollte sich jedoch weit nach Weihnachten hinauszögern.

Aha! WEIHNACHTSFUNKEN ist eine Päckchenaktion der Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V.. 2015 wurde die WEIHNACHTSFUNKEN-Aktion zum ersten Mal durchgeführt und seither wurden es Jahr für Jahr mehr Pakete. Am Ankunftsziel angekommen, werden die Pakete in Schulen und Kinderzentren an die Kinder verteilt.

Übergabe eines Geschenkpäckchen

Seit nun mehr als 30 Jahren engagiert sich die Flüchtlingshilfe Mittelamerika mit ökologischen und nachhaltigen Projekten in El Salvador, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Dieses Jahr konnte die WEIHNACHTSFUNKEN-Aktion leider nicht wie in den letzten Jahren durchgeführt werden. Doch die Flüchtlingshilfe e.V. hat eine gute Alternative gefunden, um den Kindern - trotz allen Leids - zumindest einen kleinen Funken Freude zu bereiten und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die Päckchen-Aktion ist für die Kinder, deren Familien von Armut geprägt sind, nicht nur ein Geschenk, es ist ein greifbares Zeichen der Solidarität. Was das Vorhaben ist, findest du im Flyer. Wir hoffen auf deine Unterstützung :-)

Die WEIHNACHTSFUNKEN - endlich im Zielhafen

Letztes Jahr war alles anders. Die weltweite Pandemie lähmt weiterhin die internationale Containerschifffahrt. Container stehen nicht zur Verfügung oder werden an den Höchstbietenden zu utopischen Preisen vergeben. 8 Monate musste die Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V. auf einen Container für den Transport der Päckchen und Hilfsmitteln warten. So konnten die WEIHNACHTSFUNKEN-Päckchen erst mit einer großen zeitlichen Verzögerung auf die Reise gehen. Doch sie sind endlich angekommen, auch wenn sie erst im Spätsommer diesen Jahres ihren Zielhafen erreichten. Am 01. Oktober, in El Salvador der „Tag des Kindes”, konnten die Pakete in den Bestimmungsgemeinden übergeben werden, nach fast einem Jahr des Wartens. Die Freude bei den Kindern war, auch wenn Weihnachten eher schon wieder näher rückt, riesengroß.

Übergabe der Päckchen

Auch wir in der Kaffeerösterei freuen uns riesig darüber, dass die Päckchen endlich bei ihren Adressaten angekommen sind und bedanken uns noch einmal recht herzlich bei den fleißigen Päckchenpackern.

Die Übergabe der WEIHNACHTSFUNKEN an der Schule der Gemeinde El Almendro am 01.Oktober 2022 - in El Salvador der „Tag des Kindes”. Auf dem Plakat zu lesen: Muchas Gracias Kaffeerösterei Kirmse

Ausnahmezustand in El Salvador

Die Transportschwierigkeiten der WEIHNACHTSFUNKEN-Päckchen sind das Eine. Auch in El Salvador haben die Menschen weiterhin täglich mit den Auswirkungen der Pandemie in vielerlei Hinsicht zu kämpfen.

Erschwerend hinzu kommt ein seit dem 27. März 2022 verhängter Ausnahmezustand, den Präsident Nayib Bukele aufgrund der anhaltenden Gewalt im Land ausgerufen hat. Die Regierung rechtfertigt die Einschränkung der Grundrechte der Bürger mit der in El Salvador herrschenden Bandenkriminalität. Für die Ermordung von 62 Menschen alleine an einem Tag werden die Banden verantwortlich gemacht. Ihnen soll durch konsequentes Durchgreifen und durch das Verhängen des Ausnahmezustandes das Handwerk gelegt werden. Klare Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass auch regierungskritische Stimmen zum Schweigen gebracht werden sollen.

Im Frühjahr 2021 konnte die Partei Bukeles, Nuevas Ideas, eine deutliche Mehrheit bei den Parlamentswahlen erlangen. Kurze Zeit später wurden 5 Verfassungsrichter und der Generalstaatsanwalt abgesetzt. Regierungsparteinahe Personen wurden anstatt derer eingesetzt. Die Gewaltenteilung wurde damit aufgehoben. Das Parlament fügt sich bei seinen Entscheidungen seitdem dem Willen des Präsidenten.

Öffentlich angegriffen und stigmatisiert werden zudem Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, nationale und internationale zivilgesellschaftliche Organisationen und unabhängige Medien. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat zur Einhaltung der Grundrechte aufgefordert - und gilt nun als Unterstützer krimineller Banden. Im November 2021 wurde ein Entwurf für ein „Gesetz über ausländische Agenten” vorgestellt, das die Arbeit der Organisationen vor Ort erschweren, bzw. nahezu unmöglich machen würde. Das Gesetz sieht eine Steuer auf alle Zuwendungen, die NGOs aus dem Ausland erhalten, in einer Höhe von 40 Prozent vor. „Die Sicherheit des Landes” gefährdenden Aktivitäten sollen verboten werden. Razzien gegen mehrere Menschenrechtsorganisationen wurden in diesem Zug durch schwerbewaffnete Sicherheitskräfte durchgeführt. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, wäre dies ein harter Schlag für Menschenrechtsoragnisationen und NGOs.

Der bevorzugt über Twitter kommunizierende Bukele schrieb am 04. April 2022: "Es ist klar geworden, wer die Partner der Banden sind. Jeder hat sich für sie eingesetzt: Geldgeber, Drogenhändler, korrupte Politiker und Richter, NGOs für 'Menschenrechte', die 'internationale Gemeinschaft', die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte, Journalisten und Medien der offenen Gesellschaft. Ihre Masken sind gefallen."

Eine beispiellose Welle von Inhaftierungen erlebt El Salvador und die Menschen seither. Bisher wurden mehr als 52.000 Personen festgenommen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, die unter verschärften Haftbedingungen wie reduzierte Essensrationen und ganztägigen Einschluss in den ohnehin völlig überfüllten Gefängnissen eingesperrt werden.

Schwere Menschenrechtsverletzungen werden durch Polizei und Armee ebenso außerhalb der Gefängnisse begangen. Alleine die Vermutung auf Jugendbanden reicht, um in völlig marginalen Stadtteilen Menschen festzunehmen, ohne jegliche Begründung. Selbst Jugendliche im Alter zwischen 12 bis 15 Jahren werden im Schnellverfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Bestrafung für 12 bis 15 Jahre Kinder sieht eine 10 Jahre lange Haftstrafe vor, 16 bis 18 Jahre Jugendliche werden mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft.

Viele Jugendliche und Familien am Bajo Lempa, die durch die zahlreichen unterschiedlichen Projekte mit der Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V. Kontakt hatten, sind von der bedrohlichen Situation in El Salvador betroffen und kämpfen für die Freilassung ihrer Familien.

Tropensturm Julia fegt über El Salvador

Als wäre nicht aktuell alles schon schwierig genug in El Salvador, kam vom 09. -11. Oktober diesen Jahres Tropensturm Julia mit Regenfällen und Stürmen und richtete in weiten Teilen El Salvadors großen Schaden an.

Die Region Bajo Lempa, eine sonst traumhaft schöne Küstenregion, ist schwer getroffen. Hunderte Hektar Mais und Hirse, sowie Bohnen und Gemüse und Weideflächen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen - und das kurz vor der Ernte. Auch dem Nationalpark Montecristo und der Kaffeeplantage hat Sturm und Regen zugesetzt. Die bereits eingesetzte Saat kann nicht bestellt werden, viele Familien stehen am Ende der Regenzeit ohne Hilfe da. Zudem fehlen ihnen durch die Ernte die Grundnahrungsmittel, um sich selbst zu versorgen. Durch Kredite haben die Kleinbauern Saatgut finanziert, das nun auch verloren ist. Geblieben sind vielen von ihnen nur die Kredite, die sie hierfür aufnehmen mussten.

Unter der Herrschaft von Nayib Bukele leidet nicht nur das Volk, auch der landesweite Zivilschutz ist vernachlässigt. Staatliche Evakuierungszentren werden zu Lagerräumen umfunktioniert. Am 11. Oktober war der Rio Lempa dabei, über die Ufer zu treten. Die Deiche waren aufgeweicht und das Wasser sickerte bereits durch. Eine Instandhaltung der Deiche und der Drainagen gibt es unter dem autoritären Regime von Nayib Bukele nicht mehr. Endlich hörte der Regen auf. Mit staatlicher Hilfe rechnet am Bajo Lempa aber niemand.

Mit langjährigen Partnerorganisationen hilft die Flüchtlingshilfe Mittelamerika vor Ort mit reproduktionsfähigem Mais und biologischem Dünger sowie fachlicher Beratung durch erfahrene Agrarökologen, damit sich die Familien in Zukunft wieder selbst versorgen können.

Nationalpark, Flüchtlingshilfe Mittelamerika und Kaffeerösterei - Wie kam’s?

Seit 2017 verbindet den Nationalpark Bayerischer Wald und den Nationalpark Montecristo in El Salvador eine Partnerschaft. Seit Beginn der Kooperation der beiden Nationalparks dabei: Die Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V..

Im Dezember 2017 besuchte eine Delegation des Nationalpark Bayerischer Wald mit Nationalparkleiter Franz Leibl, den Nationalpark Montecristo, unterstützt durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und den Verein Flüchtlingshilfe Mittelamerika.

Bei seiner Rückkehr in den Bayerischen Wald hat Franz Leibl eine Idee dabei: Eine mögliche Kooperation zwischen der Kaffee-Kooperative Agasacare und der Kaffeerösterei Kirmse. Hellauf begeistert von dem Vorschlag, lässt Kaffeeröster Jens Kirmse den Kaffee in Guatemala auf seine Qualität prüfen, die sich als ausgezeichnet herausstellt. Beim folgenden Gegenbesuch einer Delegation aus dem Nationalpark Montecristo bringen die Abgesandten eine Probe des Kaffees im Handgepäck mit. Gemeinsam wird der Kaffee begutachtet, geröstet und verkostet. „Den Qualitätstest hat der Kaffee mit Bravour bestanden.”, so Jens Kirmse. Der ökologisch angebaute Pinienwald-Kaffee wurde direkt bestellt und ist seither in der Kaffeerösterei erhältlich - der „Nationalparkgenuss aus El Salvador”.

Von jedem verkauften Päckchen des biologisch erzeugten und fair gehandelten Kaffees geht 1€ als Spende an den Nationalpark Montecristo. Das Geld unterstützt die Menschen vor Ort sowie Umweltbildung und wissenschaftliches Monitoring. Durch den Verkauf des Kaffees und durch das großzügige Aufrunden von Jens Kirmse konnten bereits mehrere tausend Euro die gute Sache unterstützen. In diesem Jahr wurde von der Spende ein ökologischer Gemüsegarten für die Schule und die Dorfgemeinde angelegt und Schulungen zum Ökolandbau finanziert. Die Koordination der Spenden vor Ort in El Salvador stimmt die Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V. ab.

Auch hier noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Genießer des „Nationalparkgenuss aus El Salvador”. Jeder Euro hilft.

WEIHNACHTSFUNKEN - Notgedrungen diesmal anders

Die WEIHNACHTSFUNKEN werden dieses Jahr leider nicht wie in den Jahren zuvor ihren Weg per Schiffscontainer nach El Salvador nehmen. Neben der Transportzeit durch die immer noch schwer beeinträchtigte Containerschifffahrt machen die gestiegenen Kosten für den Transport die Aktion unmöglich. Ziel ist aber weiterhin, Kindern armer Familien eine Freude zu bereiten.

Zudem verschlechtert sich die politische Situation in El Salvador weiterhin. Herr Tönnesen von der Flüchtlingshilfe e.V., mit dem wir in regelmäßigem Kontakt stehen, hat uns am Nikolaustag diese traurigen Zeilen zukommen lassen:

El Salvador ist nach drei Jahren autoritärer Herrschaft geprägt von schweren und vor allem arme Familien treffenden Menschenrechtsverletzungen. Durchgängig wurde seit März diesen Jahres der Ausnahmezustand verlängert und bereits jetzt sind mehr als 52.000 Menschen – darunter auch Kinder und viele Jugendliche - überwiegend willkürlich festgenommen und in die völlig überfüllten Gefängnisse gesteckt worden. Sehr viele sind unschuldig, viele lassen zuhause Kinder zurück - allein. Nur manchmal kümmern sich Nachbar*innen um diese. Betroffene organisieren sich in der Selbstorganisation Movimiento de Víctimas del Régimen de Excepción - MOVIR, (dt.: Bewegung der Opfer des Ausnahmezustandes). Trotz internationaler Proteste wurden die Mindeststrafe für 12- bis 16-jährige Kinder auf 10 Jahre und die für die 16- bis 18-jährigen Jugendliche auf 20 Jahre hochgesetzt.

Uns ist es ein Anliegen, in einer solchen Situation ein Zeichen von Menschlichkeit zu setzen. Die Regionen, die wir mit der Aktion WEIHNACHTSFUNKEN erreichen und die zu den ärmsten des Landes zählen, leiden sehr unter der staatlichen Repression.

WEIHNACHTSFUNKEN - Denn Weihnachten ist trotzdem!

Im nächsten Jahr, dem 9. Jahr der Aktion WEIHNACHTSFUNKEN wird hoffentlich wieder ein Container auf den Seeweg gebracht werden können, der Hunderte von WEIHNACHTSFUNKEN-Schachteln, auch von Zwiesel aus, nach El Salvador bringt! Aber ... Notgedrungen diesmal anders. Denn Weihnachten ist trotzdem!

Deshalb hoffen wir von der Kaffeerösterei und der Flüchtlingshilfe e.V. auf Deine Unterstützung, 3 WEIHNACHTSFUNKEN-Wünsche wahr werden zu lassen. Mehr Infos zu den WEIHNACHTSFUNKEN und der Arbeit der Flüchtlingshilfe Mittelamerika findest du auf der Webseite des gemeinnützigen Vereins.

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Tags: Kaffeebohne
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