Inhaltsverzeichnis:
- Der Blick aufs Label: Was dir unsere neuen Etiketten verraten
- Das botanische Fundament: Arabica vs. Robusta
- Die Königsklasse: Was bedeutet „Specialty Coffee“ wirklich?
- Die Geheimsprache der Rohkaffee-Kürzel (SHG, EP & Co.)
- Qualität mit Brief und Siegel: BIO und Nachhaltigkeitszertifikate
- Fazit: Dein Kompass für den perfekten Kaffeegenuss
- FAQ: Der Kaffeerösterei-Kirmse-Spickzettel für den Alltag
Der Kaffeecode entschlüsselt: Was bedeuten SCA, SHG, EP, AA, Bio & Co.
SCA, SHG, EP, AA oder Bio-Siegel – auf Kaffeeverpackungen, in unseren Factsheets und auf unseren neuen Labels wimmelt es nur so von Fachbegriffen. Was für Außenstehende oft wie eine Geheimsprache wirkt, ist in der Spezialitätenwelt essenziell. Als Röstmeister und Inhaber der Kaffeerösterei Kirmse ist es mir eine Herzensangelegenheit, nicht nur exzellenten Kaffee zu rösten, sondern dir auch volle Transparenz darüber zu geben, was du da eigentlich trinkst.
Genau deshalb haben wir unsere Labels komplett überarbeitet und auf den Punkt gebracht. Nimm als Beispiel unser neues Etikett für den Kaffee aus Äthiopien: Neben den klaren Aromen von Zitronengras, Mandarine und Gewürzen sowie der geschmacklichen Einordnung (vollmundig, fruchtig, blumig süß) findest du dort präzise Angaben zu Stärke, Säure, Röstgrad und Herkunft – ergänzt durch Begriffe wie „100% Arabica“, „Specialty Coffee“ und das EU-Bio-Siegel.
Doch was steckt hinter diesen Begriffen? Warum investieren wir so viel Zeit darin, genau diese Spezifikationen sichtbar zu machen? Weil diese Spezifikationen der direkte Kompass für die Qualität, den Geschmack und die Nachhaltigkeit deines Kaffees sind. Lass uns diesen Code gemeinsam knacken, Punkt für Punkt.
Der Blick aufs Label: Was dir unsere neuen Etiketten verraten
Wenn du unser neues Etikett – wie das von unserem Äthiopien Yirgacheffe aus der Gedeo Zone – betrachtest, siehst du ein klares, dreigeteiltes System für die sensorischen Eigenschaften: Stärke, Säure und Röstgrad. Diese Skalen helfen dir im Alltag, blitzschnell den Kaffee zu finden, der perfekt zu deinen Vorlieben und deiner Zubereitungsmethode passt.
- Die Stärke (bei unserem Äthiopien mit 4 von 6 Bohnen angegeben) beschreibt hierbei nicht primär den Koffeingehalt, sondern das allgemeine Mundgefühl, den Körper und die Intensität des Kaffees auf der Zunge. Ein vollmundiger, kräftiger Kaffee bekommt mehr Bohnen im Symbol, ein eleganter, leichterer Kaffee entsprechend weniger.
- Die Säure (3 von 6 Sternen) ist ein extrem wichtiges Qualitätsmerkmal. Bitte verwechsle eine feine, lebendige Kaffeesäure niemals mit der unangenehmen, sauren Note eines industriell schockgerösteten Kaffees! Hochland-Arabicas besitzen von Natur aus edle Fruchtsäuren, die an Zitrusfrüchte oder Beeren erinnern. Sie verleihen dem Kaffee Frische und Komplexität. Beim Äthiopien sorgt die feine Säure von 3 Sternen dafür, dass die Noten von Zitronengras und Mandarine wunderbar strahlen können.
- Der Röstgrad zeigt dir schließlich, wie lang und intensiv die Bohnen im Trommelröster waren. Unsere handwerkliche Langzeittrommelröstung baut aggressive Säuren behutsam ab, bewahrt aber die feinen, herkunftstypischen Aromen.

Direkt darunter findest du die harten Fakten: Die genaue Herkunft (Yirgacheffe, Gedeo Zone), die botanische Varietät (100% Arabica) und die Qualitätsstufe (Specialty Coffee). Wenn wir diese Faktoren verstehen, wissen wir exakt, warum der Kaffee in der Tasse so außergewöhnlich schmeckt.
Das botanische Fundament: Arabica vs. Robusta
Bevor wir zu den kryptischen Kürzeln kommen, sprechen wir über die beiden Hauptakteure auf dem Weltmarkt: Coffea Arabica und Coffea Canephora (besser bekannt als Robusta). Auf vielen Kaffeebeuteln im Supermarkt prangt stolz das Siegel „100% Arabica“, als wäre das allein schon ein Garant für die absolute Weltklasse. Aber ganz so einfach ist es nicht. Dennoch gibt es gewaltige Unterschiede zwischen den beiden Pflanzen.
Coffea Arabica gilt als die edlere der beiden Sorten. Sie wächst bevorzugt in kühleren Hochlandregionen ab ca. 900 bis über 2200 Metern Höhe. Die Pflanze ist anspruchsvoll, empfindlich gegenüber Schädlingen und Witterungsschwankungen und besitzt 44 Chromosomen. Das Spannende für Genießer: Durch das langsamere Wachstum in den kühleren Höhenlagen haben die Kaffeekirschen deutlich mehr Zeit, komplexe Säuren, Zuckerstrukturen und über 800 verschiedene Aromenstoffe auszubilden. Arabica-Kaffees zeichnen sich meist durch ein feines, florales, fruchtiges und tendenziell säurebetonteres Profil aus.
Coffea Canephora (Robusta) hingegen macht ihrem Namen alle Ehre. Sie ist widerstandsfähiger (robust) gegen Krankheiten und Hitze, wächst auch im Flachland (0 bis 900 Meter) und besitzt nur 22 Chromosomen. Robusta-Bohnen haben etwa doppelt so viel Koffein wie Arabicas und deutlich weniger Kaffeeöle. Geschmacklich bewegen sie sich in einer ganz anderen Welt: nussig, erdig, schokoladig, mit einem extrem vollen Körper und fast keiner Säure. Zudem sorgt der geringere Ölgehalt für eine grandiose, dicke Crema, weshalb hochwertige Robustas ein unverzichtbarer Bestandteil echter italienischer Espresso-Blends sind.
Bei unseren sortenreinen Kaffees setzen wir natürlich konsequent auf 100 % Arabica, um dir den puren, unverfälschten Charakter der jeweiligen Region in die Tasse zu bringen. Aber wir brechen in der Kaffeerösterei Kirmse auch ganz bewusst mit dem alten Vorurteil, dass Robusta grundsätzlich minderwertig sei. Es gibt, genau wie bei Arabica, eine riesige Qualitätsspanne. Ein billiger, industrieller Robusta schmeckt oft holzig und bitter. Ein sorgfältig angebauter, handverlesener „High-Quality Robusta“ hingegen ist ein absolutes Genusserlebnis. Deshalb darf ein guter Robusta-Anteil in der ein oder anderen Kaffeemischung und natürlich vor allem in unseren Espressi natürlich nicht fehlen. Er sorgt für diesen wunderbar vollen Körper, feine Schokoladennoten und eine grandiose, dicke Crema.

Welcher Anteil an Robusta in dem jeweiligen Espresso oder der Kaffeemischung steckt, findest du ab jetzt ganz transparent direkt auf den neuen Labels aufgedruckt. Merke dir also: „100% Arabica“ sagt erst einmal nur etwas über die botanische Sorte aus, noch nichts über die tatsächliche Qualität der Ernte – und ein guter Robusta ist in der richtigen Rezeptur ein echter Qualitätsgewinn!
Die Königsklasse: Was bedeutet „Specialty Coffee“ wirklich?
Auf unseren Labels steht ganz klar: Specialty Coffee (Spezialitätenkaffee). Das ist kein geschützter Marketingbegriff, den jeder verwenden darf. Dahinter steht ein strenges, weltweites Bewertungssystem der SCA (Specialty Coffee Association).
Um diesen Titel tragen zu dürfen, muss der Rohkaffee von zertifizierten Kaffee-Prüfern – sogenannten Q-Gradern – bewertet werden. Das geschieht ähnlich wie bei einer professionellen Weinverkostung. Der Kaffee wird nach einem standardisierten Protokoll (dem sogenannten Cupping) in verschiedenen Kategorien wie Aroma, Geschmack, Nachgeschmack, Säure, Körper, Balance und Reinheit beurteilt. Für jede Kategorie werden Punkte vergeben, die am Ende zusammengezählt werden. Die maximale Punktzahl beträgt 100.
| SCA Score (Punktezahl) | Qualitätsklassifizierung | Bedeutung für den Genuss |
| Unter 80,0 | Kommerzieller Kaffee (Commodity) | Massenware, oft fehlerhaft, wenig Eigengeschmack, primär bitter. |
| 80,0 – 84,99 | Very Good (Spezialitätenkaffee) | Klarer Herkunftscharakter, schöne Aromen, feine Säure, fehlerfrei. |
| 85,0 – 89,99 | Exemplary / Outstanding | Herausragende Komplexität, tiefgründige Geschmacksprofile, Raritäten. |
| 90,0 – 100,0 | 90+ / Top Exceptional | Die absolute Weltspitze. Extrem selten, hochkomplex, oft Auktionskaffees. |

Ein Kaffee darf sich also erst ab exakt 80 Punkten offiziell Spezialitätenkaffee nennen. Weltweit erreichen überhaupt nur etwa 5 bis 10 % der gesamten Kaffeeernte diese magische Grenze! Wenn du also ein Produkt mit dieser Bezeichnung bei uns kaufst, weißt du, dass du Kaffee aus den obersten zehn Prozent der weltweiten Qualitätsstufe in den Händen hältst. Und das schmeckt man sofort, weil die Bohnen einen exzellenten SCA-Score vorweisen können. Genauere Infos zum jeweiligen SCA Score findest du im entsprechenden Factsheet.
Die Geheimsprache der Rohkaffee-Kürzel (SHG, EP & Co.)
Wenn wir tiefer in unsere Factsheets schauen, stoßen wir auf die Kürzel, die direkt aus dem Ursprung zu uns kommen. Diese Buchstabenkombinationen beschreiben meist zwei wesentliche Dinge: Wo der Kaffee gewachsen ist und wie akribisch er nach der Ernte sortiert wurde. Lass uns die wichtigsten Kürzel aufschlüsseln, die du bei unseren Kaffees findest.
SHG / SHB — Die Magie der Höhe
Das Kürzel SHG steht für Strictly High Grown (ausschließlich hoch gewachsen). Manchmal liest man stattdessen auch SHB, was Strictly Hard Bean bedeutet. Beide Begriffe meinen im Grunde dasselbe, werden aber je nach Herkunftsland unterschiedlich genutzt (SHG eher in Honduras oder El Salvador, SHB in Costa Rica oder Guatemala).
Dieses Kürzel ist ein massiver Qualitätsindikator. Es zertifiziert, dass der Kaffee auf einer Höhe von mindestens 1.200 bis oft über 1.500 Metern über dem Meeresspiegel angebaut wurde. Aber warum ist die Höhe so wichtig? In diesen Höhenlagen sind die Durchschnittstemperaturen niedriger. Dadurch wächst und reift die Kaffeekirsche wesentlich langsamer. Die Reifezeit verlängert sich um mehrere Monate. Dadurch hat die Bohne deutlich mehr Zeit, Dichte aufzubauen und komplexe Fruchtzucker sowie organische Säuren einzulagern. Die physikalische Faustformel für die Dichte der Bohne lässt sich über das Verhältnis von Masse (m) zu Volumen (V) beschreiben: ρ = m / V
Je höher der Anbau, desto höher ist die Dichte ρ, sprich: Die Bohne wird sprichwörtlich zu einer Hard Bean. Für uns Röster ist das vorteilhaft, denn eine harte, dichte Bohne verträgt im Trommelröster die Hitze besser und erlaubt es uns, die tiefen, fruchtigen und süßen Geschmacksprofile präzise herauszuarbeiten, ohne dass die Bohne außen verbrennt.
EP — European Preparation
Wenn du hinter dem Namen eines Kaffees das Kürzel EP liest (z.B. SHG EP), steht das für European Preparation (europäische Aufbereitung). Das klingt im ersten Moment komisch – der Kaffee wird schließlich in Mittel- oder Südamerika aufbereitet und nicht in Europa.
Historisch bedingt bedeutete dieser Standard, dass der Rohkaffee vor dem Export extrem streng nachsortiert werden musste, um den hohen Qualitätsansprüchen des europäischen Marktes gerecht zu werden. Konkret bedeutet das: Die Bohnen durchlaufen eine intensive Handsortierung und maschinelle Auslese. Defekte Bohnen (wie unreife Bohnen, von Insekten beschädigte Bohnen oder Steinchen) werden penibel entfernt.
Bei einer EP-Sortierung sind maximal 4 Defekte pro 300 Gramm Rohkaffee erlaubt. Im Vergleich dazu erlaubt die American Preparation (AP) bis zu 23 Defekte im selben Gewicht! Für dich bedeutet das: Ein absolut sauberer Geschmack in der Tasse und keine bösen Überraschungen durch Fehlgeschmäcker.

Weitere wichtige Sortierungskürzel weltweit
- AA und AB (z. B. in Kenia): Hierbei handelt es sich um reine Größenangaben der Rohkaffeebohne, gemessen mit standardisierten Sieben (Screen Size). AA bezeichnet die größten Bohnen (Siebgröße 17/18), danach folgt AB (Siebgröße 15/16). Größere Bohnen enthalten oft mehr Aromaöle und lassen sich vor allem gleichmäßiger rösten.
- Supremo / Excelso (Kolumbien): Ähnlich wie in Afrika wird hier nach Größe sortiert. Supremo sind die größten Bohnen eines Jahrgangs, Excelso ist etwas kleiner, wird aber von Kennern oft wegen seiner enormen Geschmackstiefe geschätzt.
- PB (Peaberry / Perlbohne): Normalerweise wachsen in einer Kaffeekirsche zwei flache Bohnen von Angesicht zu Angesicht heran. Bei etwa 5 % der Ernte verkümmert jedoch ein Samen und eine einzige, komplett runde Bohne entsteht – die Perlbohne. Sie werden mühsam separat aussortiert. Da sie die geballte Kraft der gesamten Kirsche in sich tragen, schmecken sie oft unfassbar intensiv und spritzig.
Qualität mit Brief und Siegel: BIO und Nachhaltigkeitszertifikate
Kommen wir zu einem Thema, das mir besonders am Herzen liegt und zu dem es im Alltag die meisten Fragen gibt: Zertifikate wie das BIO-Siegel und die Rainforest Alliance. Auf unserem neuen Bio Kaffee-Labels prangt stolz das grüne EU-Bio-Logo mit der Kontrollnummer DE-ÖKO-005.
EU-Bio-Siegel
Ich möchte hier ein ganz klares Statement setzen: Das Führen des Bio-Siegels ist für eine kleine Kaffeerösterei mit einem enormen bürokratischen und finanziellen Aufwand verbunden. Wir werden mehrmals im Jahr von unabhängigen Kontrollstellen unangemeldet und strikt überprüft.
Das bedeutet für uns in der Praxis: Absolute lückenlose Rückverfolgbarkeit. Wenn wir einen Sack Bio-Rohkaffee aus Äthiopien einkaufen, muss jeder Schritt dokumentiert sein. In unserer Rösterei gilt das Prinzip der strikten Trennung. Bevor wir eine Charge Bio-Kaffee rösten, muss die gesamte Rösttrommel komplett gereinigt und von eventuellen Rückständen konventioneller Kaffees befreit sein. Die Lagerung der Bio-Säcke erfolgt räumlich getrennt auf eigenen Paletten. Jedes Gramm Rohkaffee und jedes Gramm Röstkaffee muss kilogrammgenau in den Büchern übereinstimmen.
Wir garantieren dir damit, dass der Kaffee frei von chemisch-synthetischen Düngemitteln und Pestiziden ist. Davon profitiert nicht nur deine Gesundheit, sondern vor allem die Natur im Ursprungsland. Die Böden bleiben fruchtbar, das Grundwasser sauber und die Kaffeebauern arbeiten in einer gesunden Umgebung.
Rainforest Alliance – Der grüne Frosch für die Umwelt
Ein weiteres bekanntes Siegel ist der markante grüne Frosch der Rainforest Alliance. Hier liegt der Fokus ganz besonders auf dem Schutz der Artenvielfalt und dem Erhalt der sensiblen Ökosysteme in den Anbauländern. Kaffees mit diesem Siegel stammen von Farmen, die strenge Richtlinien zum Umweltschutz einhalten müssen. Dazu gehört beispielsweise der Erhalt von Schattenbäumen, der Verzicht auf gefährliche Pestizide und der Schutz von angrenzenden Urwäldern. Zudem müssen die zertifizierten Betriebe soziale Kriterien für die Arbeiter auf den Plantagen nachweisen, wie etwa faire Arbeitsbedingungen und den Zugang zu Bildung. Das Ziel ist es, den Kaffeanbau nachhaltiger und im Einklang mit der Natur zu gestalten.
Fairtrade – Das wirtschaftliche Sicherheitsnetz
Fairtrade konzentriert sich im Gegensatz dazu primär auf die soziale und ökonomische Komponente im Ursprung. Das Siegel garantiert den Kleinbauernkooperativen feste Mindestpreise für ihren Rohkaffee, um sie vor den oft extremen und unvorhersehbaren Schwankungen des Weltmarktpreises abzusichern. Hinzu kommt eine zusätzliche Fairtrade-Prämie, die die Kooperativen gemeinschaftlich in Projekte vor Ort investieren – zum Beispiel in den Bau von Schulen, Brunnen oder medizinischen Stationen.
Das Fairtrade-Siegel ist ein reines Sozial- und Wirtschaftssiegel. Es sagt absolut nichts über die tatsächliche sensorische Qualität oder den Geschmack des Kaffees aus. Ein zertifizierter Fairtrade-Kaffee kann theoretisch eine fehlerhafte, minderwertige Massenware sein, die auf dem anonymen Weltmarkt landet – er wird eben nur zu einem fairen Mindestpreis gehandelt. Für uns als Spezialitätenrösterei greift das allein daher oft zu kurz, weil wir das Beste aus beiden Welten suchen: kompromisslose Spitzenqualität im Geschmack und gleichzeitig eine tiefgehende, ehrliche Fairness für die Menschen, die ihn anbauen.
Direct Trade — Warum wir oft noch einen Schritt weitergehen
Siegel sind gut und bieten eine wichtige Orientierung. Aber als Spezialitätenrösterei gehen wir bei der Kaffeerösterei Kirmse sehr häufig noch einen bedeutenden Schritt weiter: Wir setzen auf Direct Trade (Direkthandel).
Viele der weltbesten Kaffeebauern sind sehr kleine Familienbetriebe oder Kleinbauern in abgelegenen Regionen. Diese Bauern können sich die extrem teuren, offiziellen Zertifizierungen für Fairtrade oder Bio oft schlichtweg finanziell nicht leisten – obwohl sie auf ihren Farmen seit Generationen aus purem Selbsterhalt und tiefem Respekt vor der Natur absolut ökologischen Anbau ohne jegliche Chemie betreiben!
Beim Direkthandel umgehen wir den anonymen Weltmarkt und die Zwischenhändler. Wir arbeiten über verlässliche Importeure direkt mit den Farmen zusammen oder kennen die Produzenten im besten Fall sogar persönlich. Das Geniale daran: Wir zahlen den Bauern Preise, die weit über dem offiziellen Weltmarktpreis oder dem Fairtrade-Mindestpreis liegen!

Spitzenqualität hat ihren Preis. Wenn ein Bauer weiß, dass er für eine perfekt handverlesene Ernte (nur die tiefroten, reifen Kaffeekirschen) einen außergewöhnlichen Preis von uns bekommt, kann er seine Pflücker fair bezahlen, in bessere Aufbereitungsanlagen investieren und seine Familie absichern. Das ist für uns gelebte Nachhaltigkeit, ganz ohne anonymen Siegel-Dschungel.
Fazit: Dein Kompass für den perfekten Kaffeegenuss
Wenn du das nächste Mal auf unsere Labels schaust, siehst du keine bloßen Buchstabenkombinationen mehr, sondern ein klares Versprechen. Jedes Kürzel erzählt die Geschichte der Bohne, bevor sie den weiten Weg zu uns nach Deutschland angetreten hat.
- Siehst du SHG / SHB, weißt du, dass dich ein aromatischer Hochlandkaffee mit einer tollen Komplexität erwartet.
- Liest du EP, kannst du dich auf eine makellose, saubere Tassenqualität ohne Fehlgeschmäcker verlassen.
- Steht dort Specialty Coffee, hältst du ein absolutes Premiumprodukt aus den weltweiten Top 10 % in den Händen, bewertet nach den strengen Richtlinien der SCA.
- Und das BIO-Siegel garantiert dir ein reines Naturprodukt aus kontrolliert biologischem Anbau, das wir mit größter Sorgfalt und strikt getrennt für dich veredelt haben.
Kaffee ist für uns kein Massenprodukt, sondern ein Kulturgut. Und mit dem Wissen um diese Kürzel hast du ab jetzt den perfekten Kompass in der Hand, um deinen Kaffeemoment noch bewusster zu genießen.

Achtest du beim Kauf bereits auf den SCA-Score oder die Anbauhöhe? Welches Kürzel hat dich am meisten überrascht? Schreib es mir wahnsinnig gerne in die Kommentare oder – noch besser – komm uns einfach mal in der Kaffeerösterei Kirmse besuchen. Dann quatschen wir bei einer frisch gebrühten Tasse Specialty Coffee ganz entspannt weiter über unsere gemeinsame Leidenschaft!
FAQ: Der Kaffeerösterei-Kirmse-Spickzettel für den Alltag
Hier habe ich dir die häufigsten Fragen rund um unseren „Kaffeecode“ noch einmal kurz und knackig zusammengefasst:
Was bedeutet die Abkürzung SCA und was ist ein Spezialitätenkaffee?
SCA steht für Specialty Coffee Association (die weltweite Vereinigung für Spezialitätenkaffee). Kaffee-Experten bewerten Rohkaffees nach einem strengen 100-Punkte-System. Erst wenn ein Kaffee mindestens 80 Punkte erreicht, darf er sich offiziell „Specialty Coffee“ nennen. Weltweit betrifft das gerade einmal rund 5 bis 10 % der gesamten Kaffeeernte. Bei uns findest du diese absolute Spitzenklasse transparent auf den Labels ausgewiesen.
Auf den Factsheets steht oft „SHG“ und „EP“. Was heißt das übersetzt?
- SHG (Strictly High Grown): Das bedeutet, dass der Kaffee auf einer Höhe von mindestens 1.200 Metern (oft deutlich höher) gewachsen ist. Durch die kühlen Temperaturen in der Höhe reifen die Kirschen langsamer, die Bohne wird dichter („Hard Bean“) und lagert viel mehr komplexe Aromen und feine Fruchtzucker ein.
- EP (European Preparation): Das ist ein extrem strenger Sortierstandard. Der Rohkaffee wird vor dem Export so penibel von Hand und maschinell sortiert, dass maximal 4 Defekte auf 300 Gramm Kaffee erlaubt sind. Das sorgt für einen absolut sauberen Geschmack in deiner Tasse.
Garantiert das Siegel „100% Arabica“ automatisch die beste Qualität?
Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. „Arabica“ ist erst einmal nur die botanische Pflanzenart – genau wie „Robusta“. Es gibt auch minderwertigen, billig produzierten Arabica-Kaffee. Die tatsächliche Qualität wird erst durch den exakten Anbauort, die Erntesorgfalt, die Sortierung (z. B. nach SCA oder EP) und schlussendlich durch unsere handwerkliche Röstung bestimmt.
Warum mischt ihr Robusta in eure Espressi und wo sehe ich den Anteil?
Ein hochwertiger, handverlesener Canephora (Robusta) ist ein genialer Geschmacksträger! Er hat im Vergleich zum Arabica weniger Säure, dafür aber doppelt so viel Koffein, einen kräftigen Körper, tolle Schokoladennoten und er sorgt für eine dicke, stabile Crema. In unseren sortenreinen Kaffees wirst du ihn nicht finden (die sind 100 % Arabica), aber in unseren Espresso-Blends und Kaffeemischungen ist er unverzichtbar. Den genauen prozentualen Anteil findest du ab jetzt ganz übersichtlich direkt auf unseren neuen Labels aufgedruckt.
Ist euer Bio-Kaffee wirklich zu 100 % biologisch angebaut?
Ja, ohne Wenn und Aber! Wenn bei uns Bio draufsteht, ist auch garantiert Bio drin. Wir sind als Rösterei offiziell unter der Kontrollnummer DE-ÖKO-005 zertifiziert und werden mehrmals im Jahr streng und unangemeldet überprüft. In der Rösterei trennen wir Bio- und konventionelle Kaffees strikt bei der Lagerung. Zudem wird die Rösttrommel vor jeder Bio-Charge gereinigt, um jegliche Vermischung auszuschließen. Jedes Gramm wird kilogrammgenau dokumentiert.
Was ist der Unterschied zwischen Fairtrade und eurem Direkthandel (Direct Trade)?
- Fairtrade ist ein reines Wirtschafts- und Sozial-Siegel, das den Bauern Mindestpreise sichert. Es sagt allerdings absolut nichts über die geschmackliche Qualität des Kaffees aus.
- Direct Trade (Direkthandel) bedeutet, dass wir den anonymen Weltmarkt umgehen. Wir arbeiten direkt mit den Farmen oder spezialisierten Importeuren zusammen. Da wir kompromisslose Spitzenqualität fordern, zahlen wir den Bauern Preise, die weit über den Fairtrade-Mindestpreisen liegen (oft das Zwei- bis Dreifache). Das ermöglicht den Kaffeebauern im Ursprung ein echtes, sicheres Auskommen und echte Investitionen in die Natur und ihre Betriebe.
Über den Autor: Jens Kirmse
Jens Kirmse ist Gründer der Kaffeerösterei Kirmse und röstet seit über 20 Jahren Kaffeespezialitäten im traditionellen Trommelröstverfahren. Als erfahrener Röstmeister und Barista-Experte teilt er sein Wissen über Extraktionschemie und Kaffeekultur.